EIC: Accelerator Pilot bringt innovative Ideen zum Fliegen

Das ehemalige "KMU-Instrument", nun EIC Accelerator Pilot genannt, richtet sich seit 2014 an innovative kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Seit Entstehung der Förderung haben inzwischen acht Unternehmen in Hamburg eine entsprechende Unterstützung erhalten. Davon haben fünf Unternehmen ihren ersten Firmensitz in der Harburger Schloßstraße 6-12 gehabt und sind durch die Gründungsunterstützungsteams von Tutech, beziehungsweise dem Startup Dock, betreut worden.

 

Dr. Margarete Remmert-Rieper arbeitet seit 2006 als leitende Beraterin für EU-Forschungsprojekte bei Tutech. Heute verantwortet sie die Entwicklung und Durchführung von Weiterbildungsprogrammen zum Forschungs- und Innovationsmanagement: „Der EIC Accelerator Pilot richtet sich an Startups mit Wachstumspotenzial, einer risikoreichen Idee mit hohem Marktpotenzial und Innovationsgrad sowie europäisch bzw. international ausgerichteter Geschäftstätigkeit“, erklärt die Doktorin. Wichtig ist ihr auch der Hinweis auf den verfolgten themenoffenen Ansatz der Förderung: Neben technologischen können auch nicht-technologische Innovationen, wie beispielsweise soziale Innovationen oder Innovationen im Dienstleistungssektor, unterstützt werden. „Das Instrument bietet eine themenoffene Förderung mit einer schnellen Förderentscheidung - seit dem 9. Oktober 2019 auch mit der Möglichkeit, Beteiligungskapital in Kombination mit Fördergeldern zu beantragen“, so Dr. Remmert-Rieper weiter. Anträge stellen dürfen ausschließlich einzelne KMU, die gewinnorientiert agieren, die KMU-Kriterien der Europäischen Union erfüllen und ihren Sitz in der Europäischen Union haben. Als Unterauftragnehmer können Forschungseinrichtungen, Hochschulen oder größere Unternehmen das geförderte KMU unterstützen.

Die Tutech ist Mitglied im Enterprise Europe Network (EEN) und fördert gemeinsam mit der IFB Hamburg die Unternehmen der Hansestadt mit Rat und Tat: „Gemeinsam mit meiner Kollegin Sibyl Scharrer von der IFB Hamburg berate ich im Rahmen des EEN die KMUs schon im Vorfeld der Bewerbung“, berichtet Dr. Remmert-Rieper. Sie prüfen intensiv, ob die Idee geeignet ist. Helfen beim Antrag.

Unterstützung für KMU bis zur Marktreife

Der EIC Accelerator Pilot stellt eine Förderung bis zur Markteinführung und darüber hinaus zur Verfügung: Zum einen wird die Umsetzung, also vom Konzept zur Marktreife – und im Falle der Beantragung von Beteiligungskapital (Blending) – in den Markt hinein, unterstützt. Zum anderen wird mit den "Business Acceleration Services" die Kommerzialisierung während und im Anschluss an die Projektdurchführung gefördert.

„Für den Accelerator werden Fördergelder beantragt. Hierzu sollte die Forschung abgeschlossen und die Technologie in relevanter Umgebung überprüft sein oder ein funktionsfähiger Demonstrator vorliegen“, erklärt Dr. Remmert-Rieper. Gefördert werden in der Regel nur die marktnahen Entwicklungen ab „Demonstration unter Einsatzbedingungen". Der EIC Accelerator Pilot sei da sehr selektiv und nur die besten Anträge hätten eine Chance auf Förderung.

Innovations- und abschließende Entwicklungsmaßnahmen

Während der ein- bis zweijährigen Projektlaufzeit werden im Accelerator Innovations- und abschließende Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt. „Das sind Aktivitäten wie Demonstration, Tests, Erstellung von Prototypen, Pilotmaßnahmen, Scale-up, Miniaturisierung oder Design bis hin zur Marktumsetzung“, so Dr. Remmert-Rieper. Hinsichtlich der Förderung gibt es dann zwei Möglichkeiten: Eine ausschließlich zuwendungsbasierte Förderung zwischen 0,5 und 2,5 Millionen Euro oder seit dem 9. Oktober 2019 kann auch eine Mischfinanzierung  ("blended financing") beantragt werden. Diese besteht aus einer nicht-rückzahlbaren Zuwendung zwischen 0,5 und 2,5 Millionen Euro und aus Beteiligungskapital von bis zu 15 Millionen Euro, die auch für weiterführende Marktaktivitäten verwendet werden kann.

Die Unternehmen bekommen jedoch nur 70 Prozent des Geldes ausgeschüttet, der Eigenanteil liegt bei 30 Prozent: „Das macht es für Startup durchaus schwieriger, denn diese Summe kann schon eine Hürde darstellen. Es ist aber auch in Ordnung, zu diesem Zeitpunkt schon Investoren an Bord zu haben“, erklärt Remmert-Rieper. Wichtig sei, dass die Unternehmen ein Wachstumspotential haben und auch wachsen wollen – insbesondere hinsichtlich der Beschäftigtenzahl.

Business Acceleration Services

Mit der Accelerator Förderung bedachte KMU können zusätzlich zu den Coaching- und Mentoring-Angeboten sogenannte Business Acceleration Services beanspruchen, das sind Unterstützungsmaßnahmen zur Erleichterung des Markteintritts: „Diese umfassen eine Reihe zusätzlicher Angebote in Form von Schulungen, Kontakten zu Investoren sowie Vernetzung mit anderen EIC-KMU oder größeren Firmen“, erklärt Dr. Remmert-Rieper, deren Coaching selber Teil dieses Angebotes ist. Zudem soll der Zugang zu Finanzinstrumenten der EU (InnovFin) und/oder privaten Investoren erleichtert werden.

Bewertungskriterien

„Die Anträge werden im Begutachtungsprozess nach den Kriterien Innovationsstärke ("Excellence"), Marktfähigkeit ("Impact") und Qualität der Umsetzung ("Implementation") bewertet“, so Dr. Remmert-Rieper. Im Fokus stehen dabei Aspekte wie das Risiko- und Marktpotenzial, der europäische Mehrwert (warum EU-Förderung statt nationaler Förderung?) und das Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Point). Zudem werden die Umsetzungskapazitäten und das Entwicklungspotenzial der KMU sowie deren Kommerzialisierungsstrategie bewertet.

Ausschreibungen

„Die nächste Ausschreibungsphase am 19. Mai steht unter dem Fokus „Green Deal“: Da sollen verstärkt nachhaltige Unternehmen eine Chance bekommen“, so Remmert-Rieper. Außerdem will man verstärkt Unternehmen mit weiblichen Protagonisten fördern. Die Anträge können laufend bis zum jeweiligen Stichtag ("cut-off date") eingereicht werden. Es gibt in der Regel vier Stichtage pro Jahr. Die Unterlagen sind online einzureichen und können bis zum Stichtag jederzeit überarbeitet werden.

Die Begutachtung erfolgt dann zweistufig: Nach dem Online-Verfahren werden in der zweiten Stufe zusätzlich besonders erfolgversprechende Antragstellende zum Interview nach Brüssel eingeladen, wo sie ihr Vorhaben einem Experten-Panel vorstellen können. Die Anträge mit den überzeugendsten Interviews werden dann zur Förderung ausgewählt. „Der Wettbewerb um diese Fördermittel ist hart, aber die Regeln sind sehr fair. Zudem stellt die öffentliche Hand auch unterstützende Maßnahmen bereit. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Förderinstrument zu prüfen. Wir, das Enterprise Europe Network in Hamburg, freuen uns, Euer Ansprechpartner auf dem Weg zu sein“, schließt Margarete Remmert-Rieper.

Kontakt und weiterführende Informationen:

EEN-hhsh.de
EEN@tutech.de