hoλos parkt Automotive-Projekt und widmet sich DOOH-Werbung

Den Straßenverkehr mit einem innovativen Navigationssystem sicherer machen – das war im vergangenen Jahr das erklärte Ziel von hoλos. Nun hat das von der HAW Hamburg und beyourpilot betreute Team entschieden, sich vorerst voll auf den Bereich Digital-Out-of-Home-Werbung zu fokussieren. Im Interview mit Redakteur Sebastian Bechstedt erzählen Marie-Christine König und Mohamad Hamed Jalalzada, warum der Automotive-Bereich so schwierig ist, weshalb sie jetzt ausgerechnet in der Werbung durchstarten wollen und wie ihr Produkt eigentlich funktioniert.

 

Ihr seid zu Eurem EXIST-Start im November ursprünglich mit einem neuartigen Auto-Navigationssystem angetreten. Das große Ziel war also vor allen Dingen, was im Automotive-Bereich zu machen. Wie ist da der Stand?

Ja, die Automobilindustrie war unser Baby. Dann kam Corona und wir mussten uns überlegen, was jetzt noch machbar ist. Ich sag mal so: You sometimes have to kill your darlings.

Das heißt, im Automotive-Bereich geht es derzeit nicht weiter für Euch?

Als wir gestartet sind, wussten wir, alleine schaffen wir es nicht. Wir mussten eine Kooperation mit einem großen Unternehmen anstreben, sei es mit VW, Tesla oder einem großen Scheibenhersteller. Uns war klar, dass wir alleine mit den EXIST-Mitteln kein marktreifes Produkt in diesem Bereich entwickelt bekommen. Deswegen haben wir sehr viele Gespräche geführt.

Wie waren die Reaktionen?

Das Feedback war ernüchternd: Die Hersteller fanden die Technik cool, letztlich sei sie aber Zukunftsmusik und zudem mit sehr hohen Investitionskosten verbunden. Neben dem Softwarethema und den extrem langen Zulassungs- und Zertifizierungsprozessen gibt es ja auch noch die Hardwareseite mit der Frontscheibe, in die die Displayfolie gepresst werden muss. Da kommen dann Fragen zu Kälte- und Hitzebeständigkeit, Hagel und Steinschlägen auf. Das alles muss aufwendig und langwierig getestet werden. Was jetzt während Corona noch investiert wird, geht im Moment einfach fast vollständig in die E-Mobilität.

Ihr habt Euch vor diesem Hintergrund einem anderen Geschäftsfeld zugewandt. Wie seid Ihr zu dem Entschluss gekommen?

Wir haben gemeinsam mit unserem Beirat überlegt, wie und wo wir es schaffen, schneller ein Produkt auf den Markt zu bringen, mit dem wir dann auch kurz- bis mittelfristig Erträge generieren können.

Zum Glück hatten wir die Komponenten so konzipiert, dass man einzelne Bausteine in den unterschiedlichsten Branchen einsetzen kann. Die derzeit vielversprechendste davon ist die Werbeindustrie, die jetzt auch im Fokus unserer Produktweiterentwicklung steht.

Wie sieht denn das Produkt aus, dass Ihr Händlern jetzt anbietet?

Verkürzt gesagt: Wir wollen durch personalisierte Werbung und spielerische Interaktion den Menschen, den Betrachter einer digitalen Werbetafel, zum Kauf animieren. Dafür kombinieren wir unsere Entwicklungen im Bereich Software, AI und Augmented Reality.

Personalisierung und Interaktivität spielen im Bereich der Digital-Out-of-Home-Werbelandschaft derzeit keine wirkliche Rolle, obwohl da eine riesige Chance drin liegt. Momentan werden laut einer Studie nämlich gerade einmal 13 Prozent der Personen, die eine digitale Werbefläche anschauen, auch zum Kauf animiert.

Um zu zeigen, was Eure Technik kann, habt Ihr ja gerade zwei Pilotprojekte am Laufen. Unter anderem in einem Ladengeschäft eines Hamburger Einkaufszentrums – was macht Ihr da genau?

Ganz praktisch: Man kommt rein, schaut sich in diesem Fall die Teetheke an und wird gleichzeitig schon durch unser System analysiert. Dann wird auf dem Werbedisplay direkt die für z.B. einen 34 Jahre alten Mann passende Teesorte angezeigt. Der Händler kann im fertigen Produkt dann einfach in der Cloud die Produkte hinterlegen, die er für eine bestimmte Zielgruppe bewerben möchte.

Im Laufe von drei Monate erweitern wir das Setup jetzt immer weiter. Es wird größere Displays geben und im dritten Monat wollen wir dann zudem unser Know-how im Bereich Augmented Reality und Head-Tracking einbringen. Der Partner hat uns im Rahmen des Pilotprojekts Produkte zur Verfügung gestellt, aus denen wir jetzt digitale 3D-Modelle bauen. Diese werden dann auf einem transparenten Display dargestellt. Durch aktives Tracking versetzen wir die Kunden dann in die Lage das 3D-Modell des Produktes quasi mitten im Raum um 360 Grad zu drehen – nur durch Bewegung des Kopfes.

Für den anfangs angesprochenen Personalisierungsaspekt analysiert Ihr ja die Gesichter von Personen. Ist das datenschutzrechtlich kein Problem?

Das Speichern oder Bearbeiten von Bildern wäre tatsächlich nicht möglich. Deswegen speichern wir auch nichts, sondern wir erheben in Echtzeit markante Punkte des Gesichts – das ist, als wenn man darauf zeichnen würde. Diese Punkte werden dann mit einer Datenbank abgeglichen. Derzeit können wir mit knapp 96-prozentiger Genauigkeit sagen, welches Geschlecht und Alter die Person hat, die die Anzeige betrachtet. Aus einer Datenbank heraus kann dann passende Werbung für diese Gruppe ausgespielt werden.

Die beiden Pilotprojekte, die Ihr derzeit durchführt, laufen ja in Kooperation mit dem stationären Handel. Wie sieht es denn mit Werbesäulen etwa an Bahnhöfen aus?

Was die Werbung im Freien, so zum Beispiel an Bushaltestellen, in Fußgängerzonen oder auf Bahnsteigen angeht, macht personalisierte Werbung keinen wirklichen Sinn. Da stehen im Zweifel einfach zu viele Menschen vor – und ich brauche nicht für einen die Anzeige personalisieren, wenn da noch 19 andere stehen, die das gar nicht interessiert. Wir fokussieren uns daher vor allem auf personalisierte Werbung in Läden, weil die Kundinnen und Kunden dort einzeln oder in Gruppen von zwei bis drei Personen hereingehen.

Nichtsdestotrotz ist die Analysekomponente unseres Systems natürlich auch für die Werbung auf der Straße interessant. So kann damit automatisiert erhoben werden, wer wann an der Werbetafel vorbeikommt – da lassen sich dann interessante Rückschlüsse ziehen, die vor allem für Werbekunden interessant sind.

Um abschließend den Elefanten im Raum anzusprechen: Der Einzelhandel kam ja lange Zeit zum Erliegen und hatte daher ähnlich wie die Automobilbranche mit finanziellen Einbußen zu kämpfen. Seid Ihr trotzdem positiv gestimmt, dass sich Euer System durchsetzen kann?

Ganz ehrlich – die Läden sind derzeit schon wieder sehr gut besucht. Händler haben weiterhin Interesse. Wozu uns die Krise aber inspiriert hat: Wir haben in der Corona-Zeit unser Marktkonzept noch in eine andere Richtung weiterentwickelt. Es ist ja derzeit so, dass vor Informationen oder an Kassen überall diese mehr oder weniger schönen Plexiglasscheiben hängen. Wir planen mit einem potenziellen Kunden, diese durch transparente Displays zu ersetzen, sodass hier im direkten Kundenkontakt noch weitere Informationen oder personalisierte Botschaften angezeigt werden können.

Wir sind gespannt. Danke für das Gespräch.

 

Die Homepage von hoλos findet Ihr hier:  
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Die Homepage vom GründungsService der HAW Hamburg findet Ihr hier: 
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