Tatjana Timoschenko ist beyourpilot Projektkoordinatorin an der HAW Hamburg.

Teambuilding für Startups: Kommunikativ gegen das Scheitern

Startups scheitern meist an der Zusammensetzung des Teams und der zum Teil weit auseinanderliegenden Vorstellungen der einzelnen Mitglieder. Weshalb es so wichtig ist, frühzeitig ein gemeinsames Verständnis für Ressourcen, Impact und Ziele zu gewinnen, das erklärt Tatjana Timoschenko, beyourpilot Projektkoordinatorin an der HAW Hamburg, im Vorfeld des Workshops "Teambuilding für Startups".

 

Wenn man ein Startup betrachtet, ist man meist verleitet, zuerst auf die Idee zu schauen und abzuschätzen, ob ein erkennbarer Bedarf vorhanden und das Geschäftsmodell tragfähig ist. Das Team rückt häufig erst bei einer zweiten Betrachtung in den Fokus – etwa, wenn es zum ersten Pitch kommt. Dabei spielen Zusammensetzung und Zusammenspiel des Gründungsteams oftmals eine viel gewichtigere Rolle als die eigentliche Idee, ist Tatjana Timoschenko überzeugt. Die beyourpilot Projektkoordinatorin der HAW Hamburg arbeitet seit vielen Jahren mit jungen Startups zusammen und hat ein klares Bild dafür entwickelt, auf was es aus ihrer Sicht ankommt, um erfolgreich zu gründen: „Mut, Risikobereitschaft und das Team sind elementar. Zwar ist auch die Idee hinter der Gründung wichtig – allerdings dient diese oft als Startpunkt und wird kontinuierlich weiterentwickelt.“ So entstünden teilweise Ideen, die komplett von dem abweichen würden, was am Anfang erdacht wurde. Das Team mit seinen Mitgliedern und deren Eigenschaften, Ideen und Vorstellungen lässt sich hingegen nicht so leicht verändern und anpassen.

Die Bedeutung wird noch einmal besonders deutlich, wenn man sich anschaut, warum viele Startups letztlich scheitern. Die amerikanischen Datenanalysten von CB Insights gehen dem regelmäßig nach, indem sie gescheiterte Gründerinnen und Gründer befragen. In der Top 20 befinden sich dabei klassische Themen wie no market need oder ran out of cash, aber eben auch disharmony among the team. The wrong team schafft es als Grund sogar in die Top 3. Die Analysten bilanzieren, dass jede vierte der untersuchten Gründungen auch daran gescheitert ist, dass das Team falsch zusammengestellt war oder dieses mit unauflösbaren Konflikten zu kämpfen hatte.

Während viele Gründerinnen und Gründer sich darüber im Klaren sind, dass sie sich als Team mit ihren Profilen und Fertigkeiten möglichst breit aufstellen sollten, mangle es laut Timoschenko oftmals noch am Bewusstsein dafür, wie wichtig ein offener Austausch auch über Themen abseits des zu entwickelnden Produkts ist.

Teams, die letztlich scheitern, würden laut ihr nämlich oftmals daran leiden, dass sie zu wenig oder über die falschen Themen kommunizieren. „Gründungsteams sind aus meiner Sicht immer auch ein wenig wie Familien. Da muss auch mal Platz sein für Gespräche über private Dinge und eigene Wertvorstellungen“, so Timoschenko. Viele Teams würden über Letzteres und vor allem die eigene Vision gar nicht sprechen.  „Da reden wir auch nicht über die Vision für das Produkt, sondern beispielsweise darüber, wie viele Stunden ich eigentlich bereit bin, jeden Tag in das Projekt einzubringen. Wenn dann einer Vollzeit plus X für sich definiert und der andere aber nach Feierabend nur ein paar Stunden aufwenden will, dann kann das okay sein – wenn ich da aber nicht drüber spreche, wird das ziemlich sicher dazu führen, dass alle Beteiligten unzufrieden sind und im Worst Case auseinandergehen.“

Eine weitere kritische Diskussion, die in der Anfangseuphorie eines Gründungsvorhabens oft unter den Tisch zu fallen droht, ist die über die Verteilung von Rollen im Team oder auch die Frage danach, wer eigentlich welche Anteile hat. „Das kann oftmals auch bedeuten, dass man sich drauf verständigt, dass alle gleichberechtigt sind“, sagt Timoschenko. So oder so sollten auch diese Themen bereits am Anfang besprochen werden. „Ich habe Teams gesehen, die haben am Ende nicht mehr miteinander gesprochen, weil das nicht geklärt war. Denn im besten Fall erziele ich irgendwann auch einmal Gewinne mit meiner Unternehmung – und dann sollte für alle klar sein, wer welche Prämie oder welche Benefits bekommt“, so Tatjana Timoschenko weiter.

Teams sollten sich im besten Fall also direkt zu Beginn vornehmen, solche Themen offen anzusprechen und zu definieren – und Vision und Vorstellungen später auch regelmäßig zu reflektieren und anzupassen. Denn letztlich kann diese Kommunikation ein ganz maßgeblicher Grund sein, der darüber mitentscheidet, ob ein Startup scheitert oder erfolgreich ist.

Die Erkenntnis an sich ist nicht neu. Dennoch tun sich viele Gründerinnen und Gründer weiterhin schwer damit, einen solchen offenen Austausch zu führen und zu implementieren. Dabei unterstützen können spezielle Workshops oder eine externe Beratung. Daher hat etwa das BMWi im Rahmen seines EXIST-Stipendiums mittlerweile ein verpflichtendes Teambuilding-Modul verankert und auch beyourpilot bietet einen solchen Workshop in Zukunft an.

 

Veranstaltungstipp:

Teambuilding für Startups
Mittwoch, 27. Januar 2021 14:00 - 17:00 Uhr
Tatjana Timoschenko & Lisa Jessen
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