Feiernswert: 20 Jahre EXIST-Förderung für wissensbasierte Gründungen.

Zwei Jahrzehnte EXIST-Support für Gründungen aus der Wissenschaft

Das Gründungsklima an Hochschulen verbessern sowie die Zahl und Qualität technologieorientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen erhöhen. All dem widmet sich das EXIST-Förderprogramm seit über 20 Jahren. Zentraler Bestandteil des Ganzen ist das Gründerstipendium: Wer es bekommt, was drinsteckt und worauf es ankommt.

 

Das Jahr 2000: Die Dotcom-Blase platzt, es wird noch in D-Mark gezahlt und von den Startups Tesla, Airbnb und Spotify hat noch niemand gehört – sie existieren gar nicht. Im selben Jahr tritt die Bundesregierung mit ihrem umfangreichen EXIST-Seed Programm an.

EXIST: Wer es bekommt

Es soll explizit Gründerinnen und Gründer aus der Wissenschaft unterstützen, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen. Anfangs für Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ausgewählten Modellregionen, ab 2005 dann bundesweit. 2007 folgt die Umbenennung in EXIST-Gründerstipendium, welches bis heute geblieben ist. In zwei Jahrzehnten hat das Programm dabei mehr als 2.500 Teams gefördert.

Viele dieser Geförderten kamen und kommen dabei auch von den beyourpilot Verbund-Hochschulen. Zuletzt konnte das Projekt gar elf erfolgreiche Bewilligungen in Folge vermelden - inzwischen sind es sogar 15 geworden. Eine beachtliche Leistung, da im Schnitt nur jeder zweite Antrag positiv beschieden wird.

EXIST: Was drin ist 

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert ein Jahr lang mit Sachmitteln in Höhe von 30.000 Euro je Team, 5.000 Euro Coaching-Budget und einer direkten monatlichen Zuwendung an die Gründerinnen und Gründer. Diese liegt zwischen 1.000 und 3.000 Euro, je nach Status und Abschluss. „Genau darin liegt der große Reiz dieses Programms. Denn es ermöglicht den Gründer:innen durch die Deckung der Lebenshaltungskosten, sich voll und ganz auf das Gründungsvorhaben zu konzentrieren“, sagt Angela Borchert, die als Leiterin des GründungsService der HAW Hamburg in den vergangenen Jahren zahlreiche EXIST-Teams begleitet hat.

EXIST: Worauf es ankommt

Dieser Fokus auf die eigene Gründung ist in der Regel auch nötig, denn am Ende eines EXIST-Jahres soll nicht weniger als die Marktreife der eigenen Entwicklung stehen. „Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass sich EXIST für mich nicht eignet, wenn ich das absehbar nicht schaffen kann. Dann sollte man sich als Team hinsetzen und noch weiter Vorarbeit leisten“, so Angela Borchert. „Wenn ich am Ende nämlich nur etwas Halbfertiges in der Hand habe, wird es enorm schwierig neue Geldquellen aufzutun. Denn in einem solchen Zustand wird da kein VC zugreifen. Im Worstcase ist mein Gründungsvorhaben dann bereits am Ende.“

Damit das nicht passiert, wird jeder Antrag vom Projektträger auf Herz und Nieren geprüft. „Im Zentrum stehen dabei zwei Dinge. Zum einen ist das die Ideenskizze, die die Gutachterinnen und Gutachter von der Umsetzbarkeit, Einzigartigkeit und vor allem Nachhaltigkeit des Vorhabens überzeugen soll“, so Lisa Jessen, die als Gründungsberaterin im Projekt beyourpilot tätig ist. „Zum anderen sollte man sich aber auch die Zusammensetzung des eigenen Teams genau anschauen – denn als Gründungsteam muss man ein extrem breites Spektrum an Skills mitbringen. Entwicklung, Vertrieb und Buchhaltung sind da nur einige Themen, mit denen ich schnell konfrontiert werde. Das weiß natürlich auch der Projektträger und schaut auch hier genau auf den ‚fit‘ des Teams.“

EXIST: Wer momentan gefördert wird

Daher überrascht es nicht, dass 76 Prozent aller im letzten Jahr geförderten Teams aus drei Mitgliedern bestanden, auch wenn eine Förderung von Zweier- und Einzelteams grundsätzlich möglich ist. Verschwindend gering war hingegen der Anteil an Frauen in den Teams – gerade einmal 14 Prozent waren es im vergangenen Jahr.

EXIST: Das sind die Alternativen oder Ergänzungen

Alternativen zur EXIST-Förderung sind beispielsweise die InnoRampUp und InnoFounder Programme der IFB Hamburg, Accelerator-Programme, Gründungswettbewerbe oder das Crowdfunding. Problem dabei: In der Vorgründungsphase, in der EXIST fördert, greifen viele der Alternativen nicht. Oftmals verlangen sie, dass ein Team schon gegründet oder gewisse Meilensteine erreicht hat. Sie dienen daher oftmals eher als eine mögliche Anschlussfinanzierung – denn dreiviertel der geförderten Teams schaffen es im Schnitt während ihrer EXIST-Zeit zu gründen.

„Wenn ich meine Gründungsidee aus meinem Studium oder meiner Tätigkeit an der Hochschule generiert habe und noch am Anfang meiner Laufbahn stehe, dann ist und bleibt EXIST daher ‚the way to go‘“, ist Lisa Jessen überzeugt. Dementsprechend hofft die Gründungsberaterin, dass das Stipendium noch das ein oder andere Jahrzehnt hinten dranhängt.

 

An EXIST interessierte Gründerinnen und Gründer können sich direkt an beyourpilot oder ihre Hochschule vor Ort wenden. In einem Gespräch können dann die Bedingungen und Chancen auf einen erfolgreichen Antrag ausgelotet werden.

Weitere Informationen zum Programm gibt es auch direkt beim BMWi